Es geht ums Wohnen – nicht ums Bauen

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Jetzt ist es amtlich!

Stefan Flaig von der Stuttgarter Beratung Ökonsult hat es bei einer Veranstaltung im Werkraum vorgerechnet: Es fehlt nicht an Wohnraum, zumindest nicht an Einfamilienhäusern, denn es gibt genug im Bestand. Nur noch nicht auf dem Markt. Sondern kaum oder nicht genutzt meist in den Händen von Senioren. Und weil der Markt in den letzten Jahren so geschrumpft ist, steigen Preise und Druck der Bauwilligen ins Unermessliche. Es dürfe also nicht nur um die jungen Familien gehen, die ein Eigentum suchen, sondern um die Senior*innen, die altersentsprechend wohnen müssen, und um die Mieter*innen, die langfristig bezahlbaren Wohnraum benötigen. Die Bedarfsberechnungen der öffentlichen Verwaltungen gehen an der Realität vorbei, so Herr Flaig, denn sie differenzieren nicht in Zielgruppen. Sonst würden sich andere Maßnahmen wie Mehrgenerationenhäuser, Sozialer Wohnungsbau, Clusterwohnungen und Erbpacht durchsetzen. Auch die Grenzstadt Lörrach mit seinen diversen Besonderheiten könne sich der Demographie nicht verschliessen.

Und so wachse der persönliche Flächenbedarf in Lörrach munter weiter vor sich hin, von 37qm pro Person 1990, über 43 qm in 2010 und 49 qm heute. 2035 würde Lörrach ähnlich viele Einwohner haben wie heute, deutlich mehr Wohnfläche, mehr Leerstände und deutlich weniger Familien.

Dem solle schleunigst entgegengewirkt werden: durch Sensibilisieren der 50-Jährigen, durch Umzugsmanagement, durch soziale Mischung und Test alternativer gemeinschaftlicher Wohnformen, durch Aufkauf aller möglichen Flächen durch die Stadt, durch Zwecksentfremdungsabgaben für Leerstand, etc.

Wer das als System betrachtet, kann aber auch zu folgendem Schluss kommen: Zu viele Häuser brauchen zu viel Energie, versiegeln mehr Boden, der Klimawandel schreitet weiter voran und, und, und. Die Häuser, die heute geplant und gebaut werden, dienen in 30 – 50 Jahren so vielleicht den Klimaflüchtlingen als preiswerte Unterkunft, denn die Preise sind bis dahin auch deutlich gesunken. Alles wegen der Demografie. Und wegen dem System. Da fragt man sich dann: Brauchen wir in Lörrach wirklich eine Bau- oder nicht eher eine Wohn-Bürgermeisterin?

Ideen sind zumindest seit dem Zukunftsforum 2017 genügend da. Wer jetzt mutig mitgestalten und Verantwortung übernehmen will, ist herzlich eingeladen, bei einem der nächsten Treffen der WohnWandel-Gruppe mitzuwirken. Auf bald!